Schönheit macht glücklich!

9. May 2007 by WickedRigga

Viele fragen sich ja nahezu sekündlich: “Was macht eigentlich unser deutscher Adel in Zeiten parlamentarischer Demokratie?” Zu Recht. Schließlich sind zentrale Betätigungsfelder wie Erbfolgekriege, Unterdrückung des Volkes und exzessives Verprassen der abgepressten Steuern recht dramatisch weggebrochen. Was tun sie nun den ganzen Tag? Peinliche Soziopathen mit viel Geld adoptieren? In schlechten Nachmittagsmagazinen auf dem Dritten hausieren? Nur zum Teil.

Die Familie unseres altehrwürdigen Reichskanzlers von Bismarck beispielsweise fiel unlängst durch ihren Sprössling Carl-Eduard Graf von Bismarck auf, dem die Bild-Zeitung implizit die Anwartschaft auf den Titel “Deutschlands faulster Politiker” bescheinigte. Er bezieht laut Bild aberwitzig hohe Finanzmittel für quasi wertschöpfungsfreies Dasein und macht damit eigentlich das selbe wie seine Vorfahren, nur eben jetzt im Bundestag.

Nicht so eine weitere AbkömmlingIn des Bismarck-Clans. Sie hat sich der Schönheit verschrieben. Bei einem Besuch des mitten im Bismarckschen Sachsenwald gelegenen Friedrichsruh, wo der Fürst höchstselbst begraben liegt, fiel mir folgendes Schild an einer Bahnunterführung auf:

bismarck1.jpg.

Da es etwas dürftiger Qualität ist, hier nochmal der volle Text: “Ich habe versucht, diese Unterführung so schön wie möglich zu bemalen, damit ALLE, die hierherkommen sich freuen.
Meine Botschaft ist: “Schönheit macht glücklich.”
Diejenigen, die diese Botschaft lesen, werden das verstehen und nicht mehr sprayen, denn auch für für ihr Glücklichsein und für ihre Inspiration habe ich dies gemalt.
Mit freundlichen Grüßen
Elisabeth von Bismarck”

‘Donnerwetter!’ denkt man zunächst. ‘Was mag diese philanthropische Tausendsassasine da wohl für einen Jahrtausendwerk zu Waschbeton gebracht haben.’ Schließlich überrascht den Bürgerlichen allein diese völlig unerwartete Ausschüttung selbstloser Aufopferung zum Gemeinwohl.

Selbstverständlich wollte auch ich mich gern der Schönheit aussetzen, um mein Glück zu befördern und schaute in die Unterführung. Dass ich zunächst gar keine Malerei entdecken konnte, mag an der minimalistischen Ausführung und dem subtilen Ausdruck gelegen haben. Nachdem ich es allerdings als Gesamtkunstwerk wahrgenommen hatte, habe ich gespürt, ich muß es gestehen, wie alle Schönheit dieser Welt mich durchströmte und mein Glück in höchste Sphären hinaufdrang. Doch macht euch selbst ein Bild.

bismarck2.jpg

Es ist wunderschön, nicht? Naja, zumindest hat keiner drangesprüht. Das mag daran liegen, daß die riesige Sprüherszene in Friedrichsruh ebenfalls der Schönheit erlegen ist. Vielleicht aber auch nicht. Ich jedenfalls finde den Ansatz gut. Meinetwegen könnten alle adligen Zeitgenossen in Zukunft Bahnunterführungen anmalen.

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