Menschen im Zug
26. June 2007 by WickedRigga…oder genauer in der Straßenbahn reizen doch immer wieder die nach einem langen Arbeitstag geschundenen Nerven aufs äußerste und empfehlen sich damit für eine Betrachtung in dieser Rubrik.
Besondere Freude nämlich wird den Fahrgästen zuteil, wenn eine überdrehte Mitdreißigerin von Ihrem Freund angerufen wird, dem Sie im liebevollen Tonfall einer Hostile-Takeover-Endverhandlung, vor allem aber mit der Lautstärke einer startenden MiG29-Staffel von den Erlebnissen ihres, zumindest aus unbeteiligter Perspektive doch recht unspektakulären Tages kündet. Die Klimax des Telefonates ist erreicht, als sie ihrem Freund, der ihre Reise offenbar argwöhnisch und nicht ohne Eifersucht aus der fernen Heimat beobachtet, versichert, daß sie “stinke wie ein Iltis und absolut Scheisse aussähe”, um seine Sorgen zu zerstreuen. Dem Manne kann hier versichert werden, daß seine Sorgen tatsächlich völlig unbegründet sind, zumal in diesem Satz mehr Wahrheitsgehalt steckte, als vermutlich von der Telefon-Sirene beabsichtigt.
Zum Abschluss brüllte sie noch ein “Ich liebe Dich” mit der Wärme einer Flüssigstickstoffflasche ins Telefon und legte auf. Doch damit war dieser Exkurs in die Kommunikationsgewohnheiten minderbemittelter Muttis auf Fernreise längst nicht beendet. Denn zum Glück repetierte die Gute anschließend Ihrer Freundin “Frantschesga”, die allerdings eher aussah wie Birgit aus Bad Oldeslohe, sämtliche Details ihrer bahnweit kaum zu überhörenden Konversation mit unverminderter Lautstärke nochmals äußerst wortgenau. Nur für den Fall, daß irgendwer in der Bahn auch nur eine Silbe des vorangegangenen Gesprächs nicht mitbekommen hatte. Möglicherweise war ja auch noch jemand zugestiegen. Schließlich stieg sie mit Frantschesga in der Innenstadt aus, um, wie sie ebenfalls ihrem Freund am Telefon angekündigt hatte, “Kultur zu machen”. Ich hoffte innständig für die Innenstadt, daß es sich dabei nicht um Gesprächskultur handeln würde.
Am 8. October 2007 um 14:35 Uhr
Europa wächst zusammen. Ich dachte bisher sei der “Ganz-laut-mit-dem Handy-in der-Bahn-telefonier-damit-es-auch-ja-jeder-mitkriegt” -Typus in Deutschland nicht anzutreffen gewesen.
Hier in Spanien gehört so etwas fast schon zur Normalität.
jedoch sind die Spanier auch bei sonstiger verbaler Kommunikation nicht gerade Leisetreter.